Das „Feilerische Epitaph“ aus dem Jahr 1761

Das „Feilerische Epitaph“ ist ein Ölgemälde auf Leinwand mit den Maßen 1,54 m x 1,14 m. Das Bild befand sich lange in der Gruftkapelle neben der Pfarrkirche St. Martin in Gufidaun und ist eine Leihgabe der Pfarrei St. Martin Gufidaun an das Dorfmuseum Gufidaun. Das Dorfmuseum ließ das verwahrloste Gemälde im Jahr 1994 für drei Millionen Lire restaurieren. So kann es seit 2004 im Dorfmuseum besichtigt werden. 

Das Bild heißt „Feilerisches Epitaph“, weil die Feilerbäuerin Maria Prader die Auftraggeberin dieses Grabbildes war. Sie ließ es aufgrund der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit Mitte des 18. Jahrhunderts malen. Das Epitaph wird auch „Zollerisches Epitaph“ genannt, eine Bezeichnung, die erst 100 Jahre später dazugekommen ist, weil anscheinend ein gewisser Hochwürdigen Herrn Johan Baptist Zoller, erzbischöflicher Kanzler in Wien, der gesetzliche Erbe diese Grabbildes war.

 

 

Zollerisches Epitaph

Feilerisches Epitaph, Ölgemälde auf Holz. Laut Inschrift im Jahre 1761 von Maria Prader gestiftet. Das Bild ist eine Leihgabe der Pfarrei St. Martin an das Dorfmuseum Gufidaun.

 

Die originale Inschrift lautet:

„Zu Ehrn der allerheiligsten dreyvaltikheit und der unbeflekhten empfengnüß und denen HH khirchen patronen hat die wolehr und tugentreiche Maria Praderin geborene Messnerin gebeste Feillerin zu einer getechtnüß Ihren ehegemacht, khindern und enickel dieseß bildnüß alhero verlobt und vorstelen laßen im Jahr 1761“.

 

Zollerisches Epitaph Detail

Ein Detail des Ölgemäldes zeigt die Stifterin des Bildes Maria Messnerin.

 

Auf dem Verso (der Rückseite) des Bildes ist eine Inschrift aus dem Jahre 1876 zu finden. Sie verspricht, laut Stiftbrief vom 05. Juli 1768, dem gesetzlichen Erben des Hochwürdigen Herrn Johan Baptist Zoller, erzbischöflicher Kanzler in Wien, ein zollerisches Fond-Stipendium über 315 fl.ö.w. (Österreichische Gulden).

Laut Inschrift auf dem Verso wurde das Gemälde im Jahre 1876 von Matthias Schieder in Kastelruth restauriert.

 

Verena Lantschner Mantinger hat sich lange und intensiv mit der Geschichte des Bildes auseinandergesetzt und dazu geforscht. Die Ergebnisse sind hier zusammengefasst (PDF, 1.2 MB).

Das Bild ist zusammen mit dem Text auf dem Verso auch im Katalog der Kulturgüter in Südtirol (KIS) zu finden.

 

Was ist eigentlich ein Epitaph? Als Epitaph wird eine Grabinschrift oder ein Grabdenkmal für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler bezeichnet. Epitaphe können künstlerisch aufwendig gestaltet sein und befinden sich im Unterschied zum Grabmal nicht zwangsläufig am Bestattungsort (Quelle: Wikipedia).


 

Das „Feilerische Epitaph“ in der Hofburg in Innsbruck

Am 19. September 2014 besuchten zwei Frauen, Bedienstete der Hofburg Innsbruck, das Dorfmuseum Gufidaun, um über die Leihgabe des Bildes „Feilerisches Epitaph“ aus dem Jahr 1761 zu reden.

Sie würden gerne das Bild aus dem Dorfmuseum von April 2015 bis Jänner 2016 Jänner in der Innsbrucker Hofburg zum Thema „Das Letzte im Leben. Eine Ausstellung zu Sterben und Trauer (1765-2015)“ ausstellen.

Da die Pfarrei Gufidaun der Besitzer des Bildes ist, wurden alle für die Leihgabe nötigen Formulare gemeinsam mit dem Pfarrverwalter Otto Kasseroler ausgefüllt.

Für unser Museum ist es eine Ehre, so ein Objekt an die Hofburg Innsbruck auszuleihen.

 

Museumsobmann Otto Schenk mit dem Epitaph in der Hofburg Innsbruck

Museumsobmann Otto Schenk mit dem Epitaph in der Hofburg Innsbruck

 

In der Ausstellung in der Hofburg Innsbruck lautet der Text zur Beschreibung des Epitaphs:

„Das Gemälde wurde von Maria Prader gestiftet und soll an ihre Familie samt Kindern und Enkelkindern erinnern. Alle Figuren knien vor den oben dargestellten Heiligen: den vier Kirchenpatronen und Maria als Unbefleckte Empfängnis, frei von der Erbsünde. Sie fordern die Betrachtenden zum Gebet auf. Die Frömmigkeit der Familie wird selbst vom Tod der vielen Kinder nicht erschüttert, die sich so auch Gnade vor Gott erhoffen darf. Die verstorbenen Kinder sind durch ein Kreuz auf der Stirn gekennzeichnet.“

Ausstellungstext Epitaph DE

Ausstellungstext Hofburg Innsbruck, deutsch

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